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Wann wird es möglich sein, Menschen komplett durch Roboter zu ersetzen?

 

Antwort

Demonstrator Assistenzroboter ANNIE Fraunhofer IFF

Mit dem Assistenzroboter ANNIE testen die Forscher des Fraunhofer IFF moderne Technologien für die unmittelbare Zusammenarbeit von Mensch und Roboter. Foto: Fraunhofer IFF

Aus heutiger Sicht werden Roboter den Menschen nie ganz ersetzen können. Sie sind uns zwar in vielen Dingen mechanisch überlegen, doch fehlen ihnen elementare Fähigkeiten, wie beispielsweise unsere kognitive Flexibilität, unsere Intuition, Kreativität, Emotionen oder Neugier. Zusammen mit dem menschlichen Drang, Neues auszuprobieren und dabei gern auch unkonventionell zu sein, gehören diese Eigenschaften zu den Antriebsfedern unserer Evolution. Kurzum: Roboter träumen nicht. Das wiegt schwer, denn in einer Welt, in der Roboter den Menschen vollständig ersetzen, gäbe es voraussichtlich keinen Fortschritt. Zwar schreitet die Forschung zur Entwicklung künstlicher Intelligenz schnell voran. Dennoch scheint es noch ein unendlich langer Weg, bis eine Maschine tatsächlich ein eigenes Bild malt, ein Gedicht schreibt, Wissenschaft betreibt oder gar ein Team aus menschlichen Mitarbeitern führt. Und dann steht da auch noch die Frage im Raum: Wollen wir das überhaupt?

Dennoch werden uns schon bald immer mehr Roboter in vielen Bereichen des Lebens begleiten und unterstützen. Das betrifft nicht nur kleine Putz- oder Unterhaltungsroboter. Auch und gerade in der Industrie hat bereits ein neues Zeitalter der Robotik begonnen. Neue Technologien machen es möglich, dass Mensch und Roboter heute schon unmittelbar, Hand in Hand, miteinander arbeiten können. Künftig werden menschliche Fachkräfte und Roboterassistenzsysteme noch enger kooperieren und sich gegenseitig helfen.
Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Roboter sind viel kräftiger, ausdauernder, schneller und präziser als der Mensch. Sie können Aufgaben übernehmen, die sehr eintönig sind, die krank machen oder bei denen wir schnell ermüden. Sie haben kein Problem mit gefährlichen Umgebungen und machen keine Fehler. So sind sie der perfekte Partner für uns, wenn es darum geht, Dinge zu tun, für die wir eigentlich nicht gemacht sind. Das macht Roboter für uns sehr wertvoll.

Ihr Wert steigt auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, den wir erleben. Unsere Gesellschaft überaltert und es fehlt häufig an Nachwuchs. Diesen Mangel können Roboter teilweise ausgleichen, indem sie uns im wahrsten Sinne unter die Arme greifen.

Dafür entwickeln Forschung und Industrie intensiv neue Robotersysteme, Sicherheits- und Informationstechnologien. Eng an unserer Seite sollen uns Roboter entlasten, während wir mit ihnen risikolos zusammenarbeiten und fast so einfach kommunizieren wie mit einem menschlichen Kollegen. Auf diesem Weg werden die kognitiven Fähigkeiten des Menschen und die physischen Qualitäten von automatisierten Systemen effektiv verbunden. Das Ergebnis werden effizientere, flexible und anpassungsfähige Produktionssysteme sein, in deren Zentrum jedoch der Mensch stehen wird. Roboterassistenten könnten auch bald Pflegekräfte entlasten, einfache Dienstleistungen erledigen oder im medizinischen Sektor simple Aufgaben ausführen. Der Mensch übernimmt dabei zunehmend kontrollierende Aufgaben und Steuerungsfunktionen. Er wird jedoch nicht ersetzt. Der Roboter wird lediglich die Lücken ausfüllen, wie wir ihm freiwillig und zu unserem Vorteil überlassen.

Diese Frage beantwortet Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Prof. E. h. Dr. h. c. mult. Michael Schenk, Institutsleiter Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF.