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Werden Schaffner im Nahverkehr bald durch Kameras und Überwachungssysteme abgelöst?

 

Antwort

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Foto: John Picken, CC BY 2.0

Die meisten neuen Triebzüge im Schienenpersonennahverkehr sind so ausgestattet, dass aus rein technischer Sicht oft gar keine Zugbegleiter mehr notwendig sind, da die sichere Abfertigung an Stationen durch technische Lösungen auch ohne Zugbegleiter gewährleistet ist. Hier kommen unter anderem Türen mit Sensoren zum Einsatz, die ein Schließen verhindern, wenn sich noch Fahrgäste im Schließbereich befinden. Und bei einer Station in einer Kurve können Kameras so am Bahnsteig installiert werden, dass alle Türen für einen sicheren Fahrgastwechsel vom Fahrzeugführer überblickt werden können.
Von einigen Ausnahmen abgesehen, ist der Fahrscheinverkauf im Zug durch Personal meist nicht mehr vorgesehen.
Unabhängig hiervon zeigt sich aber, dass insbesondere im Regionalverkehr bei neuen Ausschreibungen wieder verstärkt Wert auf den Einsatz von Zugbegleitern gelegt wird. Die heutigen Zugbegleiter stehen dabei als Ansprechpartner der Fahrgäste für alle Fragen rund um die jeweilige Fahrt bzw. Reise zur Verfügung und geben dem Verkehrsunternehmen ein „Gesicht“. Zudem tragen Zugbegleiter durch die Fahrscheinkontrolle auch wesentlich zur Sicherung der Fahrgeldeinnahmen bei. Auch damit die Fahrgäste sich sicher fühlen, setzen die Besteller von Schienenverkehrsleistungen wieder mehr auf eine angemessene Begleitquote. Da das subjektive Sicherheitsgefühl in der Regel nachts niedriger ist als tagsüber, werden in den Tagesrandlagen teilweise häufiger Zugbegleiter eingesetzt als tagsüber. S-Bahn-Systeme haben in der Regel zumindest tagsüber keine Zugbegleiter. Zur Verbesserung der Sicherheit werden dort in den Abendstunden Zugbegleiter oder Sicherheitsstreifen eingesetzt.
Da Zugbegleiter nicht überall im Zug gleichzeitig sein können, werden Kameras und sonstige Überwachungssysteme ebenfalls verstärkt zum Einsatz kommen. Das Ziel ist es, durch alle genannten Maßnahmen den Fahrgästen ein gutes Sicherheitsgefühl zu vermitteln, damit sie weiterhin gerne öffentliche Verkehrsmittel nutzen.

Diese Frage beantwortet Frank Zerban von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger des Schienenpersonen-Nahverkehr (SPNV) e.V.