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Nicht jede Früherkennungsuntersuchung für Krebs scheint sinnvoll. Sollte die Bevölkerung nicht besser aufgeklärt werden, um eigene Entscheidungen treffen zu können?

 

Antwort

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Foto: Astrid Blank

In Deutschland werden pro Jahr 43 Millionen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen durchgeführt. Das ist politisch gewollt und wird gefördert. Man verspricht sich durch eine frühere Diagnose eine bessere Behandlung und damit eine Verlängerung des Lebens und Verbesserung der Lebensqualität der entsprechenden Patienten. Aber ist das immer gegeben?
Die Untersuchungsmethoden werden immer besser, sogar Krebsvorstufen können inzwischen festgestellt werden. Doch nicht jede Früherkennung führt auch zu einer Verlängerung des Lebens. Und es gibt auch die Erkenntnis, dass nicht jeder Krebs tödlich ist und die Lebensqualität beeinflusst. Was es also braucht, sind Früherkennungsmethoden, die einen tödlichen Krebs von einem nicht lebensbedrohlichen Krebs unterscheiden können. Daran wird intensiv geforscht.
Jede/r steht also in der Tat vor der Entscheidung, ob eine Untersuchung ihr oder ihm persönlich eher nutzt oder eher schadet. Steht die Diagnose „Krebs“ erst einmal im Raum, werden Ängste geschürt, folgen Nachuntersuchungen, die teilweise schmerzlich sein können. Auch gibt es Fälle von falschpositiven Resultaten, die zu unnötigen Behandlungen führen.
Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Leiter des Harding-Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung plädiert seit Jahren für eine bessere Schulung der Risikokompetenz, für die Fähigkeit, Statistiken richtig lesen zu können. Für ihn ist es essenziell, dass wir Menschen besser die Risiken des Alltags einzuschätzen lernen, um mit den Unsicherheiten leben zu können. Das ist vor allem im Gesundheitsbereich wichtig, da viele Menschen mit falschen Erwartungen zu einer Krebsfrüherkennungsuntersuchung gehen bzw. deren Ergebnisse falsch interpretieren. Hier sind auch die Ärzte und Journalisten gefragt, Risiken richtig zu interpretieren und verständlich an Patienten und die allgemeine Öffentlichkeit zu vermitteln.
Am Harding-Zentrum werden Ärzte, Journalisten und Patientenorganisationen im Umgang mit Risiken geschult. Es stellt auf seiner Webseite außerdem transparente und verständliche Übersichten zu einigen Früherkennungsverfahren zur Verfügung (www.harding-center.de/index.php/de/was-sie-wissen-sollten/facts-boxes).

Die Frage beantwortete Dr. Susann Beetz vom Ideen 2020 – Team mit Unterstützung von Ines Lein vom Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.