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Gibt es eine neurologisch nachweisbare Veränderung des Gehirns durch die Reizüberflutung und die Nutzung neuer Medien?

 

Antwort

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Foto: Intuitive Fotografie – Philippe Ramakers

Mit unseren Sinnesorganen (Sehen, Riechen, Hören, Schmecken, Tasten) nehmen wir tagtäglich eine Vielzahl von unterschiedlichsten Reizen auf. Strömen gleichzeitig so viele Reize auf uns ein, dass sie nicht mehr vom Körper verarbeitet werden können, kommt es zu einer psychischen Überforderung. Man spricht von Reizüberflutung. Die Folge: Stress, aggressive Reaktionen und schnelle Erschöpfung. Forscher nehmen an, dass moderne Lebensweisen, insbesondere die allgegenwärtige Nutzung des Internets und anderer neuer Medien, eine chronische Reizüberflutung hervorrufen könnte, die zu Konzentrationsschwierigkeiten, Realitätsverlust, Hyperaktivität und sogar Depressionen führt.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Charité haben untersucht, ob und wie sich eine starke Internetnutzung auf das Gehirn auswirkt. Sie konnten nachweisen, dass Personen, die das Internet sehr stark, fast abhängig nutzen, in bestimmten Hirnregionen weniger der sogenannte grauen Substanz aufweisen. Graue Substanz ist der Teil des Zentralennervensystems, der hauptsächlich aus Zellkörpern der Nervenzellen besteht – im Gegensatz zu den Nervenfasern, die die weiße Substanz bilden. Im Gehirn liegt die graue Substanz überwiegend außen und umfasst die Bereiche, die neben Sinneswahrnehmung, an Muskelkontrolle, Gefühlen und Sprache beteiligt sind.

Ob die Volumenveränderung der grauen Substanz eine Folge der häufigen Internetnutzung oder eine Voraussetzung für das fast suchtartige Verhalten sind, können die Wissenschaftler abschließend jedoch nicht sagen. Dafür bedarf es weiterer Untersuchungen.

Die Frage beantwortet Saskia Blank vom Ideen 2020-Team in Absprache mit Simone Kühn, Neurowissenschaftlerin am Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung.