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Wird die Stammzellenforschung am Menschen in Deutschland in Zukunft erlaubt sein?

 

Antwort

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Foto: Nissim Benvenisty (Follow the Money – The Politics of Embryonic Stem Cell Research. Russo E, PLoS Biology Vol. 3/7/2005, e234), CC BY 2.5

Die Frage in Ihrer Knappheit suggeriert ein allgemeines Verbot der Stammzellforschung am Menschen, das es so aber gar nicht gibt. Tatsächlich ist die Stammzellforschung am Menschen auch in Deutschland seit Jahrzehnten Gang und Gäbe. Einen großen Durchbruch der humanen Stammzellforschung stellt z. B. die in den 1980er Jahren etablierte Transplantation von menschlichen Knochenmarksstammzellen nach Bestrahlungen des Knochenmarks im Rahmen einer Krebstherapie dar. Später wurde diese Therapie durch Gabe von Blutstammzellen erweitert und damit erleichtert. Aus den übertragenen Stammzellen bilden die Transplantat-Empfänger ein neues Immunsystem, das neben Infektionen zudem oft auch noch verbleibende Krebszellen im Schach halten kann.
Derzeit werden im Grunde in allen menschlichen Geweben und Organen Stammzellen gesucht bzw. gefunden, entnommen und untersucht und teilweise (wie oben beschrieben) wieder eingesetzt. Anders sieht es bei der Verwendung von Stammzellen aus menschlichen Embryonen aus, auf welche die Frage, ohne es konkret zu benennen, wohl abzielen dürfte. Diese ist in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz an sich grundsätzlich verboten und wird durch das Stammzellgesetz auf Antrag bei der zuständigen Behörde nur für besonders hochwertige Forschungsvorhaben und nur unter signifikanten Einschränkungen und Auflagen genehmigt. Tatsächlich scheint es derzeit so, als erübrige langfristig die vergleichsweise neue Technik der „Reprogrammierung“ von Zellen die Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen. Mittels genannter Reprogrammierung ist es möglich, nahezu jede Körperzelle in eine Art „Urzustand“ zurückzuversetzen, der dem des frühen Embryos gleicht. Solche Zellen können dann wieder in nahezu jedes Gewebe entwickelt werden, sei es Haut-, Knochen- oder Herzgewebe. Insgesamt lässt sich also sagen: Die Stammzellforschung am Menschen ist nicht nur zulässig, sie wird auch intensiv betrieben und hat das Potenzial, zukünftig die Behandlung weiterer bedeutender Erkrankungen zu verbessern

Die Frage beantwortete Dr. Tobias Grimm, Programmdirektor in der Gruppe Lebenswissenschaften 1 in der Geschäftsstelle der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn und dort fachlicher Ansprechpartner für Stammzellforschung.