Fragen & Antworten

Zurück zur Übersicht

Werden wir morgen noch arbeiten müssen?

 

Antwort

05_IMG_3114

Foto: Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo)

Die Frage kann auf unterschiedlich verstanden und beantwortet werden. Hier wurde folgende Lesart gewählt: Werden wir morgen noch arbeiten müssen, weil wir uns sonst langweilen?
Die Botschaft namhafter Wissenschaftler ist: Die Zukunft unserer Gesellschaft liegt im Alter! In den letzten hundert Jahren hat sich unsere Lebensdauer um rund 30 Jahre verlängert, ein Zeitraum, der bislang so gut wie ungenutzt bleibt. Und: Die heute 70jährigen sind im Durchschnitt so gesund und mobil wie die 60jährigen vor 20 Jahren. Es liegt also auf der Hand, dass etwas getan werden muss gegen die sich eventuell einstellende Unterforderung und gegen die Gefahr eines Lebens im gesellschaftlichen Abseits im Alter.
Hinzu kommt auch folgendes: Im Jahr 2050 werden fast 40 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahre alt sein, derzeit sind es etwa 20 Prozent. Das Potenzial der Älteren muss genutzt werden, sonst ist der Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet.
Arbeit ist etwas Sinnstiftendes, gibt Halt, integriert die Menschen in ein soziales Gefüge. Es ist also nicht die Frage, ob wir im Alter noch arbeiten müssen, sondern wie die Arbeit für ältere Menschen gestaltet werden muss. Die Unternehmen zeigen zunehmend die Bereitschaft, sich auf ältere Arbeitnehmer einzustellen. Die Wissenschaft gibt hier Unterstützung: Bestimmte Kernkompetenzen stellen sich mit dem Alter quasi von alleine ein. Im Alter werden wir sozialkompetenter, zuverlässiger, emotional stabiler, widerstandsfähiger. Allerdings lassen auch einige Kompetenzen deutlich nach, so das Kurzzeit-Gedächtnis und die Fähigkeit zur Mehrfachtätigkeit. Der Grad der altersbegleitenden Veränderungen hängt von vielen Faktoren ab, wie soziale Interaktionen und v.a. von der Art der Arbeit, die die Menschen täglich verrichten. Neurowissenschaftler zeigen jedoch: Das Gehirn kann sich bis ins hohe Alter verändern, die geistige Leistungsfähigkeit lässt sich auch im Alter steigern. Dies kann zum einen durch anspruchsvolle und variable Arbeit mit möglichst großen Freiräumen geschehen, zum anderen lassen sich mentale Funktionen die durch die Arbeit nicht hinreichend genutzt wurden, durch anspruchsvolle Freizeitaktivitäten wie Tanzen oder durch ein mentales Training nachhaltig verbessern. Dies zeigt sich sogar in einer Intensivierung derjenigen Hirnprozesse, die wichtige mentale Funktionen realisieren. Voraussetzung für gutes Altern sind mithin lebenslanges Lernen bei der Arbeit und in der Freizeit.
Die Vision wäre also eine Überwindung der Einteilung des Lebens drei aufeinanderfolgende Phasen, Lernen – Arbeiten – Ruhen, hin zu lebenslangem Lernen und einem dem Alter angepassten Arbeitsumfeld.

Diese Frage beantwortet Susann Beetz vom Ideen 2020-Team in Abstimmung mit Prof. Dr. Michael Falkenstein, Leiter der Projektgruppe „Altern, Kognition und Arbeit“ am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo).