Fragen & Antworten

Zurück zur Übersicht

Es gibt Bakterien die radioaktives Material fressen. Warum sterben sie nicht und wann werden sie eingesetzt?

 

Antwort

Bild: HZDR / 3DKosmos Sander Münster

Viele Bakterien besitzen Mechanismen, um sich vor radioaktiven bzw. giftigen Stoffen zu schützen. Nehmen wir Uran als Beispiel. Das Schwermetall ist weniger aufgrund seiner Radioaktivität gefährlich, sondern wegen seiner Giftigkeit. Es gibt Bakterien, die organische Säuren freisetzen und das Uran dadurch von der Zelloberfläche ablösen. Andere Mikroorganismen transportieren es aus der Zelle oder – falls das nicht möglich ist – binden es an Zellstrukturen oder Substanzen in der Zelle, denn nur gelöste Verbindungen sind giftig. Alle diese Mechanismen haben gemeinsam, dass sie das Uran von der Zelle oder dem Stoffwechsel der Bakterien abtrennen; es ist aber immer noch vorhanden. Dennoch sind die Prozesse effektiv genug, um zu verhindern, dass die Bakterienzellen geschädigt werden und sterben. Daneben sind aber auch viele Bakterien in der Lage, Strahlenschäden zu reparieren.
Technisch kann man die Mechanismen nutzen, um Böden, Baumaterial oder Wasser von Uran zu reinigen. Derartige Prozesse werden zum Teil schon probeweise eingesetzt, aber die Entwicklung praxistauglicher Lösungen dauert üblicherweise zehn Jahre. Die Arbeitsgruppe Biotechnologie am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) arbeitet an solchen Filtermaterialien. Bisher können wir diese aber noch nicht billig genug herstellen, sodass sich ein Einsatz lohnt. In drei bis fünf Jahren könnte es soweit sein.

Diese Frage beantwortete Dr. Johannes Raff von der Arbeitsgruppe Biotechnologie am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf.