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Was ist besser: nukleare oder solare Energie?

 

Antwort

Die Sonne ist für die nächsten vier Milliarden Jahre eine unerschöpfliche Energiequelle: Mit der Sonnenstrahlung trifft rund zehntausendmal mehr Energie auf den Boden auf, als die Menschheit benötigt. Mit Hilfe von Solarzellen lässt sich ein Teil ihrer Strahlung in Strom umwandeln, dem Lebenselixier der Industriegesellschaften. Die Photovoltaikforschung hat rasante Fortschritte ermöglicht, neue Materialsysteme entwickelt, Wirkungsgrade gesteigert und die Produktionskosten gesenkt. In sonnenreichen Regionen können auch Solarthermiekraftwerke zur Stromversorgung beitragen: Hier konzentrieren Spiegel die Sonnenergie und erzeugen damit Dampf, der Turbinen antreibt. Die Energie der Sonne lässt sich auch einfach über Sonnenkollektoren auf dem Hausdach zur Warmwassererzeugung nutzen. Und eigentlich sorgt die Sonne auch dafür, dass Winde wehen (Windkraft) und Pflanzen wachsen (Biomasse und fossile Energien).

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Foto: Ralf Sperling / pixelio.de

Kernkraftwerke nutzen dagegen den Kernbrennstoff Uran, ein radioaktives Element, dessen Abbau große Umweltschäden verursacht. Im Reaktor wird Uran in weitere radioaktive Zerfallsprodukte aufgespalten. Diese Abfallprodukte müssen sorgfältig und über viele tausend Jahre von der Biosphäre abgeschottet werden, um Menschen und Tiere vor ihrer Strahlung zu schützen. Neben dem Risiko eines Reaktorunglücks, sei es durch menschliches Versagen oder eine Naturkatastrophe, ist dieses Endlagerproblem ein gravierender Nachteil. Die Kosten dafür sind schwer abzuschätzen und mit Sicherheit nicht vollständig in die Stromkosten eingepreist.

Der Begriff „nukleare Energie“ ist jedoch an sich wertfrei und bezeichnet die Energie, die bei der Spaltung von schweren Atomen oder auch bei der Verschmelzung (Fusion) von sehr leichten Atomen freigesetzt wird. Die Verschmelzung von Wasserstoff zu Helium findet im Innern der Sonne statt und sorgt für ihren unerschöpflichen Energiestrom. Im Prinzip lässt sich durch Verschmelzung von Wasserstoff auch in einem Fusionskraftwerk auf der Erde kontrolliert Energie erzeugen, ohne ähnlich hohe Risiken in Kauf zu nehmen wie bei Kernreaktoren. Die technischen Herausforderungen sind allerdings gigantisch, so dass Forscher frühestens in einigen Jahrzehnten damit rechnen, ein solches Kraftwerk in Betrieb zu nehmen. Gerade errichtet ein internationales Konsortium den ersten Experimentalreaktor in Cadarache, Frankreich, um einige Probleme auf diesem Weg zu lösen.

Diese Frage beantwortet Dr. Antonia Rötger, Referentin für Wissenschaftskommunikation in der Pressestelle vom Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie.