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Beginnt der Bergbau in der Tiefsee bald?

 

Antwort

Tiefseebergbau findet bisher noch nicht statt, die Exploration mariner mineralischer Rohstoffe der Tiefsee ist aber bereits seit mehr als zehn Jahren in vollem Gange, zunächst ausschließlich durch staatliche oder halbstaatliche Institute und seit 2011 auch durch private Investoren. Die Internationale Meeresbodenbehörde (IMB) mit Sitz in Kingston (Jamaika) hat 14 Verträge für die Exploration von Manganknollen im sogenannten Manganknollengürtel zwischen Hawaii, Mexiko und dem Äquator sowie im zentralen Indischen Ozean (1 Vertrag) abgeschlossen. Vier weitere Anträge (einer für Sulfid-Lagerstätten, einer für Manganknollen und zwei für kobaltreiche Krusten) werden während der nächsten IMB-Jahresversammlung im Juli 2013 begutachtet.

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Foto: BGR, Hannover

Bis zu einem industriellen Abbau von Manganknollen werden nach Schätzung der BGR mindestens noch etwa 10 Jahre vergehen, denn so lange dauert es, die Abbautechnik zur Einsatzreife zu entwickeln. Der enorm hohe Druck von 400-500 Bar sowie die Kälte von 1-2°C in der lichtlosen Tiefsee in 4000-5000 Metern sind eine große Herausforderung für die Konstrukteure. Viele Komponenten dieser Kollektoren sind Neuentwicklungen, die aufwändig getestet werden müssen, bevor sie zum Dauereinsatz kommen, denn Voraussetzung in dieser Tiefe ist eine hohe Zuverlässigkeit und lange Lebensdauer der Abbaugeräte.

Zudem spielt die Preisentwicklung für Metallrohstoffe eine entscheidende Rolle. Nur bei konstant hohen Preisen lohnt es sich, eine Technik für diese völlig neue Art der Rohstoffgewinnung zu entwickeln, denn die Investitionskosten für ein Abbauunternehmen inklusive der Verhüttung betragen rund 1,2 Mrd. Euro. Die langfristige Preisentwicklung hängt aber wiederum von der Entwicklung der globalen Wirtschaft ab, die nicht zuverlässig vorauszusagen ist. Deshalb bleibt es eine spannende Frage, wann der erste kommerzielle Tiefseebergbau beginnt.

Diese Frage beantworteten wissenschaftliche Experten aus dem Fachbereich „Marine Rohstofferkundung“ der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.